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04.10.2017

Esslingen: Jugend trifft Politik Viel zu wenig Zeit für die ganz dicken Bretter

Die Aussicht, mit Politikerinnen und Politikern auf Augenhöhe zu diskutieren, hat 200 Jugendliche ins Esslinger Landratsamt gelockt. Die erste Jugendkonferenz des Landkreises macht Lust auf mehr.

Von Thomas Schorradt

Esslingen - Politik ist das Bohren dicker Bretter. So lautet die Binsenweisheit, mit der Politiker ihre ungeduldige Wählerschaft gerne darauf verweisen, dass gut Ding in einem demokratischen Meinungsbildungsprozess eben Weile haben will. Knapp 200 Jugendliche, die Teilnehmer der ersten Jugendkonferenz im Landkreis Esslingen, können da jetzt mitreden. Kaum hatte sich eine Diskussionsrunde dem Kern des Problems genähert, kaum waren die ersten Späne auf dem Weg dorthin vorsichtig abgehoben, war die Zeit meist auch schon verstrichen.

Für einen Tag selbst Politiker sein und mit den Profis aus Landtag und Kreistag auf Augenhöhe diskutieren – das war das Angebot, mit dem das Jugendreferat des Landkreises Esslingen die junge Menschen angesprochen hat. Die Jugendlichen haben am Mittwoch im Esslinger Landratsamt die Chance genutzt und ihre am Vormittag erarbeiteten Thesen und Meinungen am Nachmittag an denen der Politiker gemessen – und dabei festgestellt, dass ein Tag nicht reicht, um so anspruchsvolle Themen wie den Zusammenhalt der Gesellschaft, das Freizeitverhalten, die Umwelt- und Medienpolitik und die Akzeptanz der Jugendlichen in der Gesellschaft auch nur in den Umrissen zu erfassen.

Die Jacke den Jugendlichen näher als die Hose

So wie im Großen Sitzungssaal des Landratsamts, in dem es um nicht mehr und nicht weniger als um den Zusammenhalt in der Gesellschaft gegangen ist. Schnell zeigt sich: Die Jacke – in diesem Fall die eigene Betroffenheit bei den Unterpunkte Ausbildung, Schule und Beruf – ist den Teilnehmern näher, als die Hose des Zusammenhalts. Als eine Schülerin schließlich die Diskussion des eigentlichen Themas einfordert, muss sie sich von Moritz Stein, dem Moderatoren, mit dem Unterton des Bedauerns sagen lassen: „Die Zeit ist jetzt rum, quasi.“

Mehr Zeit wäre hilfreich gewesen

Auf der Politikerseite hat Karl Zimmermann ebenfalls vergeblich auf seine Zeit gewartet. „Asyl/Zuwanderung/Innere Sicherheit“, so lautete der Zusatz auf dem Namensschild des CDU-Landtagsabgeordneten. „Dazu sind wir gar nicht gekommen“, bedauert der Politiker, der im Kleinen Sitzungssaal Rede und Antwort gestanden hatte. Die Frage, ob das Wahlrecht mit 16 Jahren eine sinnvolle Sache sei und wie Jugendbeteiligung in der Politik sonst auszusehen habe, hätte die Diskussion in seiner Arbeitsgruppe bestimmt, so Zimmermann. Doch auch da zeigt das Politik-Urgestein eine klare Kante. „Die Schule sollte verpflichtet werden, auf die Politik vor Ort zuzugehen und nicht nur abzufragen, wer den Bundespräsidenten wählen darf. Die Ratssäle sind offen und der Besuch einer Gemeinderatssitzung oder im Landtag ist kostenlos“, sagt der Abgeordnete.

„Wir hätten mehr Zeit einplanen müssen“, ist einer der Schlüsse, die Christine Kenntner vom Jugendreferat des Landkreise spontan aus dem Verlauf der Premiere ziehen will. Ansonsten aber seien die Erwartungen an die Veranstaltung übertroffen werden. „Die hohe Beteiligung und die differenzierte Auseinandersetzung mit den Themen hat gezeigt, dass wir die Jugendlichen auch auf Landkreisebene ansprechen können“, sagt sie. Jetzt gelte es, die Themen aufzugreifen und in die Städte und Gemeinde zurückzutragen. Dabei setzt Kenntner auch auf die Hilfe der Politiker. Sie haben uns zurückgemeldet, dass sie viel von den Diskussionen mitnehmen in ihre Arbeit vor Ort“, sagt die Jugendreferentin.

 
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