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10.02.2018

Hier fliegen einem die Worte um die Ohren

Wettbewerb | Beim Debattieren geht es um mehr als nur um gute Argumente: Die acht Finalisten des Schulverbundwettbewerbes zu „Jugend debattiert“ zeigten in der Teck-Realschule, auf was es ankommt.

Das Publikum hängt förmlich an den Lippen der Finalisten von „Jugend debattiert“.Foto: Markus Brändli
Das Publikum hängt förmlich an den Lippen der Finalisten von „Jugend debattiert“.Foto: Markus Brändli

 

Von Melissa Seitz

Es ist ein bisschen wie bei einem Fußballspiel. Zwei Teams spielen gegeneinander, die Pro- und die Contra-Seite. Im Publikum sitzen die Fanclubs und fiebern mit. Der Pfiff des Schiedsrichters ist in diesem Fall ein Gong, das Stadion: die Teck-Realschule in Kirchheim. Hier wird sich aber nicht der Ball hin- und hergespielt, sondern hier liefern sich acht Finalisten des Schulverbundwettbewerbs „Jugend debattiert“ starke Wortgefechte. Über was die Teilnehmer diskutieren, ist kein Spiel, es sind Themen aus dem alltäglich Leben - aktuell und brisant.

Feinsäuberlich legen die vier Jugendlichen der Altersklasse I ihre Notizen auf das Pult, der Stift ist griffbereit für jegliche Notizen. Sie sind als Erstes dran. Die Streitfrage: „Soll Videoüberwachung auf Bahnhöfen mit automatisierter Gesichtserkennung ausgestattet werden?“ Dazu hat Farah Rasool eine klare Meinung. „Durch die Gesichtserkennung können Gefährder schneller gefasst werden. Das Geld, das in die Kameras investiert wird, sorgt für unsere Sicherheit“, sagt die Neuntklässlerin aus dem Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen. Farah schaut kein einziges Mal auf ihr Blatt. Sie weiß, was sie sagen will. Sie weiß, auf was es ankommt - und zwar auf Souveränität, Augenkontakt und Überzeugungskraft und natürlich gute Argumente.

Für Helene Putsch vom Kirchheimer Schlossgymnasium ist dieses Vorhaben ein Unding: „Niemand möchte auf Schritt und Tritt verfolgt werden. Wir müssen unsere Privatsphäre wahren.“ Ob diese Maßnahme etwas bringen würde, davon ist die Achtklässlerin nicht überzeugt. London sei das beste Beispiel. Hier habe keine Kamera die Stadt vor Anschlägen bewahrt. Die Jury ist von der ersten Debattierrunde begeistert. Auf dem ersten Platz sehen sie Farah, auf dem zweiten Helene.

Neue Runde, neues Thema

Die Glocke erklingt zum zweiten Mal. Neue Runde, neue Gesichter und ein neues Thema. Dieses Mal heißt die Streitfrage: „Sollen in stark belasteten Großstädten Diesel-Fahrverbote erlassen werden?“ Für Mark Wendt vom Theodor-Heuss-Gymnasium in Esslingen lässt sich die Frage ganz klar mit „ja“ beantworten. „Diesel ist tödlich. Er schadet unserer Gesundheit“, sagt er und haut dabei leicht mit seiner Hand auf den Tisch. Der Zehntklässler macht seinen Standpunkt klar, und das ziemlich deutlich. Dang Hermann vom Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen ist da ganz anderer Meinung. „Das lässt sich doch nicht umsetzen. Wollt ihr etwa spezielle Polizeistreifen jedes Auto kontrollieren lassen?“, fragt er kritisch nach. Die Debatte war ein ausgeglichenes Pingpong-Spiel, findet die Jury, auch wenn die vier manchmal vom Thema angekommen sind. Felix Poloczek vom Kirchheimer Schlossgymnasium landet auf dem ersten Platz, Clara Schwarz vom Esslinger Theodor-Heuß-Gymnasium auf dem zweiten.

Traurige Gesichter sieht man nach dem Wettbewerb nicht. Die ersten zwei Plätze der jeweiligen Runden dürfen auf ein professionelles Debattier-Seminar. Aber nicht nur das: Alle acht Finalisten reisen nach Berlin. Das haben die hiesigen Bundestagsabgeordneten ermöglicht, erklärt Bärbel Kehl-Maurer, Konrektorin der Teck-Realschule und Koordinatorin von „Jugend debattiert“.

Und übrigens: Die Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (CDU) und Matthias Gastel (Grüne) sowie der Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann (CDU )saßen auch im Publikum und waren sichtlich begeistert. Wer weiß, vielleicht nehmen sie ein paar Anregungen von diesem Tag mit in ihre nächste politische Debatte.

 
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