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16.07.2019

Arbeitskreis Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau vor Ort bei Fa. Feeß

Warum Bauschutt das neue Plastik ist

Von Thomas Schorradt

Der Kirchheimer Unternehmer Walter Feess sieht die Wiederverwertung von Bauschutt unter anderem als Grundlage für recycelten Beton, als Beitrag für den Klimaschutz. Davon hat er jetzt eine Politiker-Delegation zu überzeugen versucht.

Kirchheim - Der Kirchheimer Unternehmer Walter Feess kann aus Dreck Gold machen. Das ist natürlich etwas verkürzt dargestellt. Eigentlich verwandelt Walter Feess mineralische Abfälle, wie sie in ganz gewöhnlichem Bauschutt anfallen, in neue Baustoffe. Doch noch wertvoller als der Recycling-Beton ist in seinen Augen der Gewinn, der für die Umwelt bei dieser Art von Kreislaufwirtschaft herausspringt. Weil der beim Abriss eines Gebäudes anfallende Schutt bisher auf Deponien gefahren wird, die 100 und mehr Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt sind, pendeln nach Feess` Überzeugung tausende von Lastwagen sinnlos auf den deutschen Straßen hin und her. „Hätten wir landesweit auch nur zehn solcher Aufbereitungsanlagen, wie wir hier eine in Kirchheim stehen haben, dann würden wir uns allein in Baden-Württemberg zehn Millionen Lastwagen-Kilometer im Jahr sparen“, sagt Feess.

Rechnet man die nicht in Anspruch genommenen Rohstoffe und die eingesparten Deponiekapazitäten hinzu und zieht dabei den Wirkungskreis über die Landesgrenzen hinaus, wird die Einschätzung des Unternehmers nachvollziehbar. „Das Thema ist weltweit genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger wie die Frage, was mit dem Plastikmüll passiert“, sagt Feess, der vor drei Jahren für sein Engagement mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet worden war.

Umweltschutz hebelt Umweltschutz aus

Feess` Unternehmen in Kirchheim brummt. Der 65 Jahre alte Unternehmer würde es gerne erweitern, als seinen Beitrag zum Umweltschutz. Doch dagegen steht ausgerechnet der Umweltschutz. Sowohl der Landkreis Esslingen als auch die Stadt Kirchheim als Genehmigungsbehörden tun sich schwer mit den Erweiterungswünschen des Abbruchunternehmens ins freie Feld hinein.

Die Probleme vor der eigenen Haustüre sind nur ein Beispiel für den steinigen Weg ins Betonrecycling-Paradies. Die in Irland gefertigte Wiederaufbereitungsanlage in der Nürtinger Straße 124 ist bisher immer noch so eine Art Insel im Meer der Ungläubigen. Herzstück ist die Bodenwaschanlage, ein blaues Stahlungetüm aus Schütten, Sieben, verschachtelten Förderbändern, Zentrifugen und der eigentlichen Waschanlage. Außen herum, in einem beinahe konzentrischen Kreis, reihen sich rund 90 Schüttgut-Boxen aneinander. Jede davon fasst bis zu 400 Tonnen Material, nicht alle sind randvoll. „FSS RC 0-45 Z 1.1“ liegt darin, oder Beton RC 0/45, oder auch „BC Splitt 2/16.“ Das sind nur drei von rund 40 aus Abbruchmaterial gewonnene Baustoffe, die Feess im Angebot hat.

Beim Recycling bleiben nur wenig Reststoffe für die Deponie

Eine der 90 Schüttgut-Boxen ist nicht einmal zu einem Zehntel gefüllt. „Das sind die nicht weiter verwertbaren Reststoffe. Die kommen auf die Deponie“, erklärt Feess. Über den Daumen gerechnet 90:1 – das klingt nach einem überzeugenden Verhältnis. „Wir zeigen hier, dass es geht. Es braucht aber auch den Willen dazu“, sagt Feess. In seiner Mission, diesen Willen auch der politischen Ebene einzupflanzen, hat Feess, der für die Freien Wähler auch im Esslinger Kreistag sitzt, in den Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann einen Mitstreiter gefunden. Auf dessen Initiative hin hat sich der Arbeitskreis Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau der CDU-Landtagsfraktion jetzt vor Ort ein Bild gemacht. Die kleine Delegation zeigte sich beeindruckt, von der Anlage ebenso, wie von der Leidenschaft des Unternehmers. „Es geht nicht um mich. Ich bin nur das Werkzeug“, beteuert Feess mehrmals.

Claus Paal, der Vorsitzende des Arbeitskreises, bezeichnet in seinem Fazit die Wiederverwendung von Baumaterialien aus Abrissen als einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz. „Wir müssen als Land eine Vorreiterrolle einnehmen“, sagt der Abgeordnete und verspricht Feess, eine Überprüfung durchzuführen, „wie öffentliche Ausschreibungen so verändert werden können, dass der Einsatz recycelter Rohstoffe erhöht wird“. Zudem wolle er Feess bei der Überzeugungsarbeit unterstützen, dass mehr Flächen für Recyclinganlagen zur Verfügung gestellt werden, und das vor allem dort, wo der Bauschutt auch anfällt.

 
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